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Ich wachte auf und wusste nicht, wo ich war. In wenigen Sekunden machte ich die Umrisse eines Zimmers aus. Die Verarbeitung des Kastens, das Design des Zimmers und die hochmoderne Schlüsselkarte ließen auf ein 4-Sterne Zimmer der Hotelkette Novotel schließen. Hastig zog ich mich an und eilte in den Frühstücksraum. Am Weg dorthin erblickte ich eine Broschüre und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich war in Hildesheim. Doch wie konnte das passieren.

 

Verschwommene Erinnerungen tauchten vor meinem inneren Auge auf. Flache Landschaften, die schnell am Zugfenster vorbeizogen, turbulente Umsteigemanöver und jede Menge Kartenspiele. Ah ja, Kartenspiele, jetzt erinnerte ich mich wieder: Wir waren auf Besuch bei unserer deutschen Partnerschule, dem Scharnhorst Gymnasium Hildesheim. Das Erasmusprojekt brachte uns dort hin, um uns das UNESCO-Weltkulturerbe-Kartenspiel Skat und das immaterielle Weltkulturerbe Blaudruck näherzubringen.

 

  Beim Betreten des Frühstücksraums richtete sich meine Aufmerksamkeit auf die Geräuschkulisse. Verschwommen machte ich Wortfetzen in mir teils bekannten, teils unbekannten Sprachen aus. Beim Erblicken des Lehrertisches erinnerte ich mich. Neben unseren österreichischen Lehrern Herr Professor Moravi und Frau Professor Klammer saßen die Lehrer der spanischen, ungarischen und italienischen Delegationen. Nachdem ich im Alleingang das exquisite Buffet leergeplündert hatte, machte ich mich mit den anderen Schülern auf zur Schule. Aus den vorfreudigen Gesprächen der anderen vermachte ich, dass wir heute unsere Videos präsentieren sollten, an denen wir in der letzten Woche fleißig gearbeitet hatten. In der Schule versammelten wir uns in unseren Kleingruppen und verliehen den Videos den letzten Feinschliff. Um 11 Uhr trafen wir uns und erst beim Anschauen der Videos wurde mir klar, was in der letzten Woche passiert war. Schlagartig kamen die Erinnerungen zurück. Bereits am Tag nach unserer Ankunft waren wir in die grundlegenden Regeln des Kartenspiels Skat eingeweiht worden. Doch das war gar nicht so einfach gewesen und nach wenigen Stunden hatte uns vor lauter Herz, Karo, Pik und Kreuz der Schädel gebrummt. Und dann hatten wir nur noch blau gesehen, denn am dritten Tag waren wir nach Einbeck gefahren. Eine kleine historische Stadt mit einem malerischen Zentrum hatte uns empfangen. Doch wir waren nicht wegen der idyllischen Fachwerkhäuser gekommen. In einer kleinen, aber gemütlichen Werkstatt hatten wir einen Einblick in das traditionelle Handwerk des Blaudrucks bekommen und auch selbst unsere Fähigkeiten als Blaudruckmeister erprobt. Nach und nach waren durch unsere Hand wunderschöne Blumenmuster auf weiße Stoffe gestempelt worden. Jetzt warten unsere Meisterwerke nur noch auf dem Tag, an dem sie mit blauer Farbe gefärbt werden und somit dem Namen „Blaudruck“ alle Ehre erweisen.

 

Aber das Highlight unserer Reise sollte noch folgen. Dem pfeifenden Wind trotzend hatten wir am Samstag vom Rathausturm aus die Aussicht über die Stadt Hannover genossen. Dem Regenwetter entfliehend hatte es uns anschließend mit unseren internationalen Freunden in eine heimelige Pizzeria verschlagen, in der wir unsere Kräfte wieder aufgetankt hatten. Als die Sonne uns mit unseren gut gefüllten Bäuchen wieder nach draußen gelockt hatte, hatten wir uns aufgemacht, um das Stadtzentrum genauer zu erkunden. Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen war jedoch eindeutig die Stadt Hamburg, die wir am Sonntag auf eigene Faust erkundet hatten. Mit unseren ausgeborgten, roten Fahrrädern hatten wir in diversen Vierteln die Straßen Hamburgs unsicher gemacht, zwischen Street-Art-Werken und Backsteinhäusern den einen oder anderen Kreisverkehr erobert und ganz nebenbei ein paar Autofahrer in den Wahnsinn getrieben. Was für ein gelungener Tag!

 

Kein Wunder, dass wir am Abend stets todmüde im Hotel angekommen waren. Nichtsdestotrotz hatten wir Gesellschaftsspiele bis zum Umfallen (des Jengaturms) gespielt. Der Kreislauf war geschlossen und plötzlich ergab alles wieder Sinn. Es wäre auch zu schade gewesen, diese tolle Zeit zu vergessen!

 

Diese Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten von Eva, Max, Kathrin, Berenika, Frau Professor Klammer und Herr Professor Moravi.

 

   
© BG-Rein, Pei